
Kassensysteme in Deutschland: Anbieter, Kosten & Praxiswissen
Kassensysteme sind heute mehr als eine digitale Registrierkasse. Sie verbinden Verkauf, Zahlungen, Belegausgabe, Auswertungen und rechtliche Vorgaben in einem System – im Einzelhandel, in der Gastronomie, bei Dienstleistern und im mobilen Einsatz.
Dieser Überblick erklärt dir verständlich, wie moderne POS-Systeme funktionieren, welche Arten es gibt, worauf du bei Auswahl und Betrieb achten solltest und welche Anbieter sich für typische Einsatzszenarien eignen.
Inhaltsverzeichnis
- Kassensysteme in Deutschland: Anbieter, Kosten & Praxiswissen
- Was ist ein Kassensystem?
- Welche Arten von Kassensystemen gibt es?
- Rechtliche Anforderungen in Deutschland: TSE, KassenSichV, Bonpflicht
- Wichtige Funktionen für Handel, Gastro & Dienstleistung
- Kosten & Gebühren: womit du realistisch rechnen solltest
- Anbieter-Überblick: welche Lösung passt zu welchem Betrieb?
- Einführung in der Praxis: Checkliste für Auswahl & Rollout
- Fazit
- FAQ: Kassensysteme in Deutschland
Was ist ein Kassensystem?
Ein Kassensystem (POS-System) besteht in der Praxis aus drei Bausteinen:
- Kassensoftware (lokal oder cloudbasiert) für Artikel, Preise, Steuern, Belege, Berichte
- Hardware wie Tablet/Touchscreen, Bondrucker, Kassenschublade, Scanner
- Anbindungen z. B. Kartenzahlung, Warenwirtschaft, Buchhaltung, Fiskalfunktionen
Moderne Kassensysteme unterstützen typischerweise:
- Verkauf & Abrechnung (inkl. Rabatt- und Gutscheinlogik)
- Kartenzahlung, digitale Payments und Trinkgeldfunktionen
- rechtssichere Belegausgabe und Datenexport für Prüfungen
- Berichte (Tagesabschluss/Z-Bericht), Filial- und Benutzerverwaltung
- Updates, Backups und zentrale Verwaltung (besonders in der Cloud)
Wenn du tiefer einsteigen willst: In der Kategorie Kassensystem findest du weitere Grundlagen und Vertiefungen.
Welche Arten von Kassensystemen gibt es?

Je nach Branche, Standort und Prozess unterscheiden sich Kassensysteme deutlich. Diese vier Typen sind in Deutschland am häufigsten:
Tablet- und iPad-Kassensysteme
Beliebt bei kleineren und mittleren Betrieben, weil sie schnell startklar sind und oft flexibel erweitert werden können. Typisch: App, Tablet, Bondrucker, optional Kassenlade.
Praxis-Plus: gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, leichte Bedienung, ideal für mehrere Standorte mit zentraler Steuerung.
Mehr dazu im Ratgeber iPad-Kassensystem: Vorteile & Anforderungen.
Cloud-Kassensysteme
Hier liegt der Schwerpunkt auf zentraler Verwaltung, Updates, Backups und Reporting – besonders relevant für Filialbetriebe oder Teams mit wechselnden Rollen.
Wichtig: Achte auf Offline-Modus (für Netzausfälle), Rechtekonzepte und Exportmöglichkeiten.
Branchenspezifische Kassensysteme
Gastronomie braucht meist Tischverwaltung, Küchenbon, Lieferservice/Abholung. Handel braucht Varianten, Scanner-Flows, Lager/Warenwirtschaft und häufig bessere Auswertungstiefe.
Für einen schnellen Einstieg in die passenden Empfehlungen hilft die Kassensystem-Bestenliste.
Kasse im Kartenterminal (Kompaktlösungen)
Für sehr kleine oder mobile Betriebe gibt es Lösungen, bei denen Kasse und Zahlung eng zusammenhängen. Das kann Startaufwand reduzieren – ist aber nicht immer ideal, wenn du später stark wachsen oder komplexe Abläufe abbilden willst.
Rechtliche Anforderungen in Deutschland: TSE, KassenSichV, Bonpflicht
In Deutschland sind Kassensysteme eng mit steuerlichen Vorgaben verknüpft. Relevant sind vor allem:
- KassenSichV: Anforderungen an elektronische Aufzeichnungssysteme (u. a. Schutz vor Manipulation)
- TSE (Technische Sicherheitseinrichtung): signiert Vorgänge und schützt Grundaufzeichnungen
- Belegausgabepflicht (Bonpflicht): Beleg muss grundsätzlich angeboten/ausgegeben werden
- Meldepflicht: Elektronische Kassensysteme müssen in bestimmten Fällen gemeldet werden
Für die rechtliche Einordnung (Originaltext) ist das Bundesrecht die verlässlichste Basis, z. B. über das Bundesgesetzblatt zur Kassensicherungsverordnung. (Gesetze im Internet)
Wenn du die Anforderungen praxisnah zusammengefasst brauchst, findest du Details hier: Registrierkassen-Pflicht und KassenSichV sowie zur Meldepflicht elektronischer Kassensysteme.
Wichtige Funktionen für Handel, Gastro & Dienstleistung
Nicht jede Funktion ist für jeden Betrieb gleich wichtig. In der Praxis bewähren sich diese Kriterien:
1) Verkauf & Bedienlogik
- Schnelle Artikelsuche, Favoriten, Barcode-Scan
- Varianten/Attribute (Größe, Farbe), Gewicht/Preis je Einheit
- Umtausch/Storno mit sauberer Nachvollziehbarkeit
2) Zahlungsarten & Kartenzahlung
- EC-/Debit, Kreditkarte, Mobile Wallets
- Trinkgeld, Teilzahlungen, Rechnungen
- Klare Gebührenstruktur (Transaktion, Terminal, Service)
Wenn Kartenzahlung ein zentrales Thema ist, hilft der Überblick Kartenterminal Vergleich beim Einordnen der Terminal-Modelle und Anbieter.
3) Mitarbeiter, Rechte & Kassensturz
- Rollen und Berechtigungen (Kasse, Storno, Rabatt)
- Schichtwechsel, Kassensturz, Ein-/Auszahlungen
- Dokumentation für Kassenprüfung und interne Kontrolle
4) Auswertungen & Export
- Tages-/Wochenberichte, Warengruppen, Margen (falls vorhanden)
- Export für Steuerberater/Buchhaltung
- Datenzugriff und Schnittstellen für Prüfungen (siehe nächster Abschnitt)
Kosten & Gebühren: womit du realistisch rechnen solltest
Die Gesamtkosten setzen sich selten nur aus einer „Monatsgebühr“ zusammen. Rechne in der Planung mit vier Kostenblöcken:
Typische Kostenbestandteile (Beispielrahmen)
| Kostenblock | Übliche Ausprägung | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Kassensoftware | 0 bis ca. 250 € pro Monat (je nach Funktionsumfang und Branche) | Nutzer/Kassenplätze, Filialen, Module, Vertragslaufzeit |
| Hardware | einmalig (z. B. Tablet, Drucker, Scanner, Kassenlade) | Qualität, Ersatzgeräte, Garantie, Offline-Fähigkeit |
| Fiskal-Komponenten | TSE (oft als Modul/Option) | Laufzeiten, Aktivierung, Updates, Signatur-/Exportprozesse |
| Zahlungen | Transaktionskosten + ggf. Terminal-/Servicekosten | Mischkalkulation, Mindestumsatz, Kosten je Zahlart |
Für eine schnelle Orientierung mit Szenarien (Branche, Kassenplätze, Module) nutze den Kassensystem-Vergleichsrechner.
Praxis-Tipp: Prüfe nicht nur „ab Preis“, sondern vor allem: Welche Funktionen sind im Basistarif enthalten – und welche sind zwingend kostenpflichtige Module (z. B. Gastro-Funktionen, TSE, Filialfunktionen)?
Anbieter-Überblick: welche Lösung passt zu welchem Betrieb?
Statt „die beste Kasse“ gibt es in der Praxis „die passendste Kasse“. Diese Orientierung hilft:
Für Gastronomie (Restaurant, Café, Bar)
Typische Must-haves: Tischverwaltung, Küchenbon, Trinkgeld, Splitten, Lieferservice/Abholung, schnelle Bedienoberfläche.
Ein guter Einstieg ist die Bestenliste für Restaurants & Gastronomie.
Für Einzelhandel (stationär, Filiale, Omnichannel)
Wichtig: Barcode-Flow, Varianten, Retourenprozesse, Lager/Warenwirtschaft, saubere Auswertungen, ggf. Anbindung an Onlineshop.
Empfehlungen nach Handels-Szenarien findest du in Bestes Kassensystem für den Handel.
Für Dienstleister (Terminbetrieb, Studio, Handwerk mit Verkauf)
Oft zählen: einfache Artikelstruktur, Kundenkartei, Rechnungen, ggf. Termin-/Auftragsbezug, mobile Nutzung.
Kurzer Preis- und Vertragsrahmen (zur Einordnung)
Diese Tabelle soll dir nur helfen, typische Spannweiten zu verstehen – konkrete Kosten hängen von Kassenplätzen, Modulen und Zahlungssetup ab.
| Anbieter (Beispiel) | Typischer Startpunkt/Monat | Mindestlaufzeit (häufig) | Häufige Stärke |
|---|---|---|---|
| Hellocash | ab 0 € | eher länger | Einstieg/kleinere Betriebe |
| SumUp | ab 0 € | kurz | kompakter Start, mobile Nutzung |
| Ready2Order | ab ca. 35 € | kurz | Handel/Allround, modular |
| Tillhub | ab ca. 39 € | eher länger | Universal, Filialthemen |
| Orderbird | ab ca. 29 € | kurz | Gastronomie-Fokus |
| Lightspeed | ab ca. 79 € | eher länger | Gastro/Prozesse, Funktionsbreite |
Wenn du einzelne Lösungen im Detail vergleichen willst, findest du Tests zu gängigen Systemen, z. B. Ready2Order, Orderbird, Tillhub, SumUp oder Lightspeed in der Kassensystem-Rubrik.
Einführung in der Praxis: Checkliste für Auswahl & Rollout

Diese Schritte verhindern typische Fehlentscheidungen:
1) Anforderungen sauber sammeln
- Welche Prozesse müssen „schnell“ sein (Stoßzeiten)?
- Wie viele Kassenplätze und Benutzer?
- Welche Sonderfälle (Gutscheine, Lieferungen, Retouren, Tischsplitten)?
2) Fiskal & Prüfungssicherheit mitdenken
- TSE integriert und zuverlässig?
- Belegausgabe (auch digital) sauber gelöst?
- Export für Prüfungen vorhanden?
Für die technische Basis der TSE sind die Vorgaben des BSI relevant, z. B. über BSI TR-03153 zur Technischen Sicherheitseinrichtung.
3) Datenexport und Schnittstellen prüfen
Bei Außenprüfungen oder Kassen-Nachschauen müssen Daten in standardisierten Formaten bereitstellbar sein. Ein zentraler Begriff ist DSFinV-K. Eine offizielle Einordnung bietet das Bundeszentralamt für Steuern zur DSFinV-K.
4) Vertrag & Kostenfallen vermeiden
- Module: Welche brauchst du wirklich – und welche sind Pflicht?
- Laufzeit/Kündigung: passt das zu Saison und Wachstum?
- Hardware: Ersatz, Garantie, Supportzeiten
Wenn du schon ein Angebot hast: Mit Kassensystem-Vertrag analysieren & Kosten sparen findest du typische Prüfpunkte.
Fazit
Kassensysteme sind das digitale Herzstück deines Betriebs – und gleichzeitig ein Bereich, in dem Prozesse, Zahlungsarten und rechtliche Pflichten sauber zusammenlaufen müssen. Wer vor dem Kauf Anforderungen, Fiskalthemen, Schnittstellen und echte Gesamtkosten strukturiert prüft, spart später viel Zeit, Geld und Ärger.
FAQ: Kassensysteme in Deutschland
Eine klassische Registrierkasse ist meist eine einfache Hardwarekasse. Ein modernes Kassensystem (POS) kombiniert Software, Hardware und Anbindungen (Zahlung, Auswertung, ggf. Warenwirtschaft) und ist deutlich flexibler.
In vielen Fällen ja, wenn ein elektronisches Aufzeichnungssystem genutzt wird. Ob Ausnahmen greifen, hängt vom konkreten Einsatz ab (z. B. Art des Systems, Branche, Sonderfälle).
Das kann für sehr einfache Abläufe funktionieren. In der Praxis entstehen Kosten oft über Module, Hardware, Support und Zahlungsgebühren. Entscheidend ist, ob die Lösung deine Pflicht- und Prozessanforderungen wirklich abdeckt.
Tischverwaltung, Küchenbon, Trinkgeld, Splitten, schnelle Bedienoberfläche, stabile Offline-Funktion und gut steuerbare Mitarbeiterrechte.
Wichtig sind vollständige Pflichtangaben, nachvollziehbare Stornos/Retouren und ein sauberer Ablauf bei digitalen Belegen (z. B. QR-Code), damit Belegausgabe und Dokumentation konsistent bleiben.
Richtwert: mindestens so viele, dass Stoßzeiten ohne Warteschlangen ablaufen. Oft lohnt sich eine zweite Kasse weniger wegen Umsatz, sondern wegen Prozesssicherheit (Retoure, Beratung, Ausfallreserve).
Häufig ja, aber der Integrationsgrad unterscheidet sich: von „separates Terminal“ bis „voll integrierte Zahlung mit automatischer Übergabe“. Das beeinflusst Geschwindigkeit, Fehlerquote und Abrechnung.
