Im deutschen stationären Handel hat sich in den letzten Jahren ein fundamentaler Wandel vollzogen. Während Bargeld traditionell als „König“ galt, haben sich Kartenzahlungen – beschleunigt durch die COVID-19-Pandemie – fest etabliert. Für Händler und Kunden stellt sich oft die Frage: Welche Karten werden eigentlich wo akzeptiert und wo liegen die Unterschiede?
In diesem Artikel geben wir einen detaillierten Überblick über die gängigsten Arten von Kartenzahlungen in Deutschland, ihre Vor- und Nachteile sowie die technischen Hintergründe.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Der Klassiker: Girocard (ehemals EC-Karte)
- 2. Kreditkarten (Visa, Mastercard, JCB, American Express)
- 3. Kontaktloses Bezahlen (NFC-Technologie)
- 4. Mobile Zahlungen (Apple Pay, Google Pay, Samsung Pay)
- 5. Maestro und V Pay (Auslaufmodelle?)
- 6. Diners Club und andere Spezialkarten
- Fazit: Der richtige Mix für den Handel
- Häufige Fragen zu Kartenzahlungen (FAQ)
1. Der Klassiker: Girocard (ehemals EC-Karte)

Die Girocard ist das mit Abstand wichtigste bargeldlose Zahlungsmittel in Deutschland. Die Zahlen belegen dies eindrucksvoll: Im Jahr 2024 erreichte sie einen Umsatzanteil von 41,5 % im Einzelhandel. Dabei tätigten Kunden insgesamt 7,9 Milliarden Transaktionen mit einem enormen Gesamtvolumen von 307 Milliarden Euro.
Zwar kennen viele Verbraucher sie noch unter dem alten Namen „EC-Karte“ (Electronic Cash), doch der offizielle Name änderte sich bereits vor vielen Jahren. Sie ist in fast jedem deutschen Geldbeutel zu finden, denn die Banken geben sie automatisch zu jedem Girokonto aus.
Wie die Girocard genau funktioniert
Technisch gesehen handelt es sich um eine Debitkarte. Das bedeutet, dass die Bank den bezahlten Betrag direkt nach dem Einkauf vom Girokonto abbucht. Viele Deutsche schätzen dieses Prinzip sehr. Denn so behalten sie die volle Kontrolle über ihre Ausgaben und machen keine Schulden. Im Gegensatz dazu sammeln Kreditkarten die Umsätze oft bis zum Monatsende an.
Warum Händler diese Karte bevorzugen
Besonders im Einzelhandel genießt die Girocard die höchste Akzeptanz. Der Grund dafür liegt in den Kosten. Die Gebühren für Händler sind bei der Girocard deutlich niedriger als bei internationalen Kreditkarten wie Visa oder Mastercard. Deshalb akzeptieren oft auch kleine Geschäfte wie Kioske, Friseure oder Bäckereien ausschließlich die Girocard.
Die wichtigsten Merkmale im Detail:
- Direkte Buchung: Das Geld verschwindet sofort vom Konto, was für eine gute Übersicht sorgt.
- Hohe Verbreitung: Über 100 Millionen dieser Karten sind in Deutschland im Umlauf.
- Sicherheit: Die Zahlung erfolgt meist per Chip und PIN. Zudem sind kontaktlose Zahlungen bis 50 Euro oft ohne PIN möglich.
Das Problem mit dem Ausland (Co-Badging)
Die Girocard hat jedoch eine große Schwäche: Sie ist ein nationales, deutsches System. Folglich funktioniert eine reine Girocard nicht im Ausland. Damit Kunden trotzdem im Urlaub bezahlen können, nutzen Banken einen Trick.
Sie drucken ein zweites Logo auf die Karte. Dies nennt man „Co-Badging“. Die gängigsten Partner waren lange Zeit V Pay (von Visa) oder Maestro (von Mastercard). Da Mastercard das Maestro-System jedoch langsam einstellt, erhalten Kunden nun vermehrt Karten, die Girocard und „Debit Mastercard“ kombinieren. So ist die Karte auch weltweit und im Internet einsetzbar.
Zusammenfassung der Vor- und Nachteile
2. Kreditkarten (Visa, Mastercard, JCB, American Express)

Kreditkarten gewinnen in Deutschland stetig an Marktanteilen. Anders als bei der klassischen Girocard bucht die Bank das Geld hier meist nicht sofort vom Konto ab. Stattdessen sammelt sie alle Umsätze eines Zeitraums. Erst am Ende des Monats zieht sie den Gesamtbetrag ein. Dadurch erhalten Kunden einen kurzfristigen, zinsfreien Kredit und mehr finanziellen Spielraum.
Die großen Anbieter im Vergleich
Der Markt teilt sich im Wesentlichen auf drei große Akteure auf. Dabei gibt es jedoch einen wichtigen Unterschied in der Geschäftsstruktur.
- Visa & Mastercard: Diese beiden Anbieter geben die Karten nicht selbst heraus. Vielmehr vergeben sie Lizenzen an Banken (z. B. Sparkassen oder Direktbanken). Deshalb sind sie die weltweiten Standardkarten. Egal ob Supermarkt, Tankstelle oder Onlineshop – fast jeder Händler akzeptiert sie mittlerweile.
- American Express (Amex): Dieser Anbieter gibt seine Karten selbst heraus. Zwar war Amex lange als exklusive Karte für Wohlhabende bekannt, doch heute ist sie breiter verfügbar. Die Akzeptanz ist etwas geringer als bei Visa oder Mastercard, weil die Gebühren für Händler höher sind. Jedoch punktet Amex mit starken Bonusprogrammen (Membership Rewards).
Nicht alle Kreditkarten sind gleich
Verbraucher sollten wissen, dass es verschiedene Abrechnungsarten gibt. Denn „Kreditkarte“ ist nicht gleich „Kreditkarte“:
- Charge-Karte: Dies ist der Standard in Deutschland. Alle Ausgaben werden einmal im Monat gesammelt vom Girokonto abgebucht. Es fallen keine Zinsen an.
- Revolving-Karte: Dies ist die klassische US-Kreditkarte. Der Kunde zahlt am Monatsende nur einen Teilbetrag zurück. Allerdings fallen für den Restbetrag oft hohe Zinsen an.
- Debit-Kreditkarte: Sie sieht aus wie eine Kreditkarte (hat die 16-stellige Nummer), funktioniert aber wie eine Girocard. Das Geld wird sofort abgebucht. Viele Banken geben diese Karten mittlerweile als Standard aus.
Vor- und Nachteile im Überblick
3. Kontaktloses Bezahlen (NFC-Technologie)

„Einfach dranhalten“ ist das neue Normal. Dank der NFC-Technologie (Near Field Communication) müssen Karten nicht mehr in das Terminal gesteckt werden. Dies beschleunigt den Kassiervorgang an der Kasse massiv.
Wie es funktioniert: Ein kleiner Chip in der Karte oder dem Smartphone kommuniziert über kurze Distanz mit dem Terminal.
- Geschwindigkeit: Transaktionen dauern oft nur Sekundenbruchteile.
- Hygiene: Kein Berühren des Terminals nötig (besonders wichtig seit der Pandemie).
- Sicherheit: Bei Beträgen über 50 Euro wird in der Regel dennoch eine PIN abgefragt.
4. Mobile Zahlungen (Apple Pay, Google Pay, Samsung Pay)

Das Smartphone ersetzt zunehmend den Geldbeutel. Technisch basiert dies ebenfalls auf NFC, jedoch wird hierbei eine digitale Wallet verwendet, in der eine Kredit- oder Debitkarte hinterlegt ist.
Warum Mobile Payment boomt:
- Höchste Sicherheit: Die Zahlung wird biometrisch freigegeben (FaceID, Fingerabdruck). Die echte Kartennummer wird dabei nie an den Händler übertragen (Tokenisierung).
- Komfort: Keine physische Karte notwendig – die Smartwatch oder das Handy reichen aus.
- Limit: Oft entfällt die 50-Euro-PIN-Grenze des Terminals, da die Authentifizierung bereits am Handy erfolgt ist.
5. Maestro und V Pay (Auslaufmodelle?)

Um mit einer deutschen Girocard im Ausland bezahlen zu können, nutzen Banken sogenannte „Co-Badging“-Systeme auf derselben Karte. Die bekanntesten sind Maestro (Mastercard) und V Pay (Visa).
Wichtiger Hinweis zum Maestro-Aus: Seit Juli 2023 werden keine neuen Maestro-Karten mehr ausgegeben. Banken stellen zunehmend auf die „Debit Mastercard“ oder „Visa Debit“ um, die Funktionen der Girocard und Kreditkarte (für Online-Shopping) vereinen. Bestehende Karten funktionieren jedoch bis zum Ablaufdatum weiter.
- Einsatzgebiet: Ermöglicht die Nutzung der Girocard im europäischen (V Pay) oder weltweiten (Maestro) Ausland.
- Verbreitung: Geht stark zurück zugunsten von reinen Debit-Kreditkarten-Produkten.
6. Diners Club und andere Spezialkarten
Neben dem Mainstream gibt es Nischenanbieter wie Diners Club oder Discover. Diese Karten finden sich primär in den Portemonnaies von internationalen Geschäftsreisenden.
- Zielgruppe: Business-Traveler, Touristen aus den USA/Asien.
- Vorteile: Oft inkludierte Versicherungen, Lounge-Zugang und Bonusprogramme.
- Nachteil: Wird im kleinen Einzelhandel in Deutschland selten akzeptiert.
Fazit: Der richtige Mix für den Handel
Die Landschaft der Kartenzahlungen in Deutschland ist vielfältig. Während die Girocard nach wie vor die Basis bildet, erwarten Kunden zunehmend die Akzeptanz von Kreditkarten und vor allem Mobile Payment via Smartphone.
Händler, die umsatzstark bleiben wollen, sollten sicherstellen, dass ihre Terminals NFC-fähig sind und zumindest Visa und Mastercard akzeptieren, um Spontankäufe und internationale Kunden nicht zu verlieren.
Häufige Fragen zu Kartenzahlungen (FAQ)
Bei der Girocard (Debit) wird der Betrag sofort oder zeitnah vom Konto abgebucht. Bei einer echten Kreditkarte (Credit) erhält der Kunde einen Kreditrahmen und die Abrechnung erfolgt meist gesammelt einmal im Monat.
Ja und Nein. „EC-Karte“ ist der alte Begriff, der 2007 offiziell in „Girocard“ umbenannt wurde. Im Volksmund wird der Begriff EC-Karte jedoch weiterhin synonym verwendet.
Sehr sicher. Durch die NFC-Technologie werden Daten verschlüsselt übertragen. Zudem müssen Nutzer bei Verlust der Karte keine Angst haben, dass das Konto leergeräumt wird, da ab bestimmten Summen und in regelmäßigen Abständen die PIN abgefragt wird.




